Schizophrenie
Was bedeutet der Name Schizophrenie?
Das Wort Schizophrenie kommt aus dem Griechischen und lässt sich frei mit "Bewusstseinsstörung" übersetzen.
Der Begriff Schizophrenie wurde erstmals am 24. April 1908 von dem Schweizer Psychiater Eugen Bleuler auf einer Sitzung des deutschen Vereins für Schizophrenie benutzt.
Wie häufig tritt eine Schizophrenie auf?
Pro Jahr erkrankt ungefähr eine von 10.000 Personen an einer Schizophrenie. Männer und Frauen sind in etwa gleich häufig betroffen, wobei
Frauen im Durchschnitt etwas später (zwischen 25 und 30 Jahren) erkranken als Männer (zwischen 20 und 25 Jahren).
Von der Schizophrenie sind Menschen auf der ganzen Welt betroffen.
Wie kommt es zu einer Schizophrenie?
Schizophrenie ist eine psychiatrische Erkrankung. Sie löst eine Veränderung der Wahrnehmung, der Gedanken und des Verhaltens aus.
Für Mediziner zählt die Schizophrenie zu den endogenen Psychosen. "Endogen" heißt, dass die Erkrankung nicht durch äußere Einflüsse
entsteht, sondern dass erbliche Faktoren zur Verursachung beitragen. "Psychose" bezeichnet eine psychische Störung, die gekennzeichnet ist
durch eine Veränderung des eigenen Erlebens und des Bezugs zur Außenwelt.
Die Ursache, warum eine Person eine Schizophrenie bekommt, ist bis heute noch nicht ganz geklärt. Es wird davon ausgegangen,
dass eine genetische Veranlagung für eine Schizophrenie vorliegt, die dann mit verschiedenen auslösenden Faktoren dazu führen kann,
dass eine Person an einer Schizophrenie erkrankt. Unter einer genetischen Veranlagung versteht man die Zusammensetzung von Genen, die dafür
verantwortlich sind, eine bestimmte Besonderheit (z. B. Krankheit) zu vererben. Die auslösenden Faktoren können "belastende Lebensereignisse"
wie z.B. der Tod eines geliebten Menschen, ein Arbeitsplatzwechsel oder der Auszug aus dem Elternhaus sein.
Wie verläuft eine Schizophrenie?
Die Schizophrenie ist eine Erkrankung, die sowohl schubweise als auch chronisch verlaufen kann. So ein Schub kann einige Wochen bis Monate dauern.
Danach klingt die Krankheit mehr oder weniger ab, bis es nach Monaten oder Jahren zu einem neuen Schub kommen kann. Ungefähr Zweidrittel der
Betroffenen erkranken mehrmals an einer Schizophrenie.
Wie erkenne ich eine Schizophrenie?
Schizophrenie ist eine Erkrankung, die sehr unterschiedlich und vielfältig verläuft. Von Person zu Person sieht die Krankheit unterschiedlich aus.
Die Krankheitssymptome (Krankheitsmerkmale) können leicht bis schwer ausgeprägt sein, und bei den wenigsten Betroffenen treten alle Symptome gleichzeitig auf.
Es gibt vier große Gruppen denen die einzelnen Symptome zugeordnet werden.
Störungen des Denkens
- Hören von Stimmen,
- Wahnbildung (der Betroffene glaubt z. B., dass er verfolgt wird)
- veränderte Wahrnehmung der Umwelt (die Betroffenen glauben, dass sich jedes Geschehen in der Welt speziell auf sie bezieht und eine besondere Mitteilung an sie enthält)
Störungen des Gefühls
- depressive Stimmung
- nicht nachvollziehbare Heiterkeit
Störungen des Wollens, Handelns und Ich-Erlebens
- Gedankeneingebung
- Gedankenausbreitung (der Betroffene glaubt, dass andere Personen seine Gedanken hören können)
zusätzliche Symptome
- Licht- und Farbempfindlichkeit
- Überempfindlichkeit gegenüber Geräuschen, Gerüchen und Geschmack
- verändertes Zeitgefühl
Die Betroffenen sind in einer akuten Phase nicht in der Lage, zwischen der realen Welt, wie wir sie wahrnehmen und erleben, und der eingebildeten
Wirklichkeit zu unterscheiden. Sie sind dann oft nicht in der Lage, Ratschläge anzunehmen, sie können schneller gereizt reagieren,
und sie können z. B. nicht so gut mit Stress umgehen.
Nach einem akuten Schub, nehmen die Symptome wieder ab und für den Betroffenen kommt es zur "Erholung". Die Stimmen werden leiser und der
Kontakt mit der Umwelt klappt wieder. Manche Betroffene haben zwar auch dann noch das Gefühl verfolgt zu werden, aber es regt sie nicht
mehr auf. Andere beginnen ihren Stimmen interessiert zu zuhören und lassen sich von ihnen unterhalten.
Was kann man gegen eine Schizophrenie tun?
Schizophrenie ist eine Krankheit, die in der Regel gut zu behandeln ist. Mittlerweile gibt es eine Menge von Behandlungsmöglichkeiten,
die es den Betroffenen möglich machen, ein "normales" Leben zu führen.
In der Akutphase, also während eines Schubs, ist die Einnahme von Medikamenten am wichtigsten. Die Betroffenen nehmen Medikamente,
die dafür sorgen, dass die Wahnvorstellungen, das Hören von Stimmen, die depressive Stimmung und die anderen Symptome aufhören.
Wie viele und wie lange die Medikamente genommen werden müssen, ist ganz unterschiedlich und richtet sich immer nach der betroffenen Person.
Ein ganz wichtiger Bestandteil der Behandlung einer Schizophrenie ist die Behandlung durch einen Psychotherapeuten. Nicht nur während eines Schubs,
sondern auch davor und danach. Die Grundlage dieser Therapie bildet die so genannte Psychoedukation. Die Betroffenen lernen dadurch ihre Krankheit
besser zu verstehen und besser mit ihr umzugehen. Zusätzlich zur Psychoedukation erhalten die Betroffenen weitere Therapien, die ihnen z. B. helfen
- eine Tagesstruktur aufzubauen (Ergo-, Arbeits-, und Soziotherapie),
- mehr Eigenverantwortung zu erwerben, oder
- die Erlebnisse in einer akuten Phase besser zu verarbeiten (Gruppentherapie).
Durch eine solche Therapiekombination aus Medikamenten und Psychotherapie ist eine Schizophrenie zwar nicht heilbar, aber die Symptome lassen sich so
gut beeinflussen. Viele Betroffene werden auch von alleine wieder gesund. Es kann aber auch sein, dass die Betroffenen für eine gewisse Zeit in
einer speziellen Klinik behandelt werden.
Was kann ich gegen eine Schizophrenie tun?
Wenn jemand in deiner Familie an einer Schizophrenie erkrankt ist, ist das sicherlich nicht einfach für dich. Vielleicht hast du auch schon mal etwas gereizt oder genervt auf die Person reagiert. Das ist verständlich und passiert jedem Mal. Allerdings ist es wichtig, dass dieses Verhalten nicht dauernd so ist, denn für die betroffene Person kann das ganz schön kränkend sein. Auf der anderen Seite solltet ihr die betroffene Person nicht zu fürsorglich behandeln oder sie bevormunden. Das ist nicht so einfach, denn indem ihr z. B. Stress von ihr fern haltet, ihr keinen Zeitdruck verschafft oder dafür sorgt, dass sie nicht zu viele Aufgaben bewältigen muss, könnt ihr sie vor einem Rückfall schützen. Wichtig dafür ist auch, dass so genannte Frühwarnsymptome von euch und der betroffenen Person selbst erkannt werden. Zu diesen Frühwarnsymptomen zählen:
- Unruhe
- Schlafstörungen
- Konzentrationsstörungen
- Körperpflege wird vernachlässigt
- Veränderung des Tagesablaufes
- Empfindlichkeit gegenüber Geräuschen
- traurige, depressive Stimmung
Wenn euch diese Frühwarnsymptome, die bei jedem Betroffenen unterschiedlich ausfallen können, bekannt sind, dann ist es einfacher, einem neuen
Schub entgegenzuwirken. Wenn Du z. B. merkst, dass deine Mutter oder dein Vater unruhiger ist als sonst, kannst du mit ihr oder ihm eine Runde Fahrrad
fahren, schwimmen gehen, oder Fußball spielen. Denn durch Sport kann man von der inneren Unruhe ablenken. Wenn Du merkst, dass die oder der
Betroffene ihren Tagesablauf verändert, könnt ihr für sie zur Orientierung einen genauen Tagesplan aufschreiben. Das hilft ihr dabei,
sich an Regelmäßigkeiten zu halten.
Außerdem könnt ihr mit darauf achten, dass die Medikamente regelmäßig genommen werden.
Ist eine Schizophrenie ansteckend oder vererbbar?
Eine Schizophrenie ist nicht ansteckend. Allerdings gibt es eine genetische Veranlagung an Schizophrenie zu erkranken.
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