Apallisches Syndrom (Wachkoma)
Woher kommt der Name apallisches Syndrom?
Das Wort "apallisch" kommt aus dem Lateinischen und heißt übersetzt "ohne Mantel" bzw. "ohne Rinde".
Andere Begriffe für das apallische Syndrom sind:
Wachkoma", da die Betroffenen sich in einem schlafähnlichen Zustand befinden, in dem sie aber mit offenen Augen daliegen, oder
Apallisches Durchgangssyndrom", denn der Zustand in dem sich die Betroffenen befinden, kann sich weiter entwickeln oder zurückbilden.
Wie häufig tritt das apallische Syndrom auf?
Etwa 6.000 - 10.000 Menschen fallen jährlich ins Wachkoma. Erwachsene, Kinder, Jugendliche und Senioren sind da in etwa gleich betroffen.
Es ist also kein Zustand, der vermehrt in einem bestimmten Lebensalter auftritt.
Was geschieht bei einem apallischen Syndrom im Gehirn?
Wachkomapatienten, wie Personen mit einem apallischen Syndrom auch oft genannt werden, befinden sich in einem schlafähnlichen Zustand mit offenen Augen.
Sie sind wach, können atmen aber sich nicht von allein bewegen, nicht sprechen oder alleine essen und trinken.
Das liegt daran, dass bei ihnen das Großhirn beschädigt ist, das Stammhirn dagegen in der Regel voll funktionsfähig ist.
Schematische Darstellung unseres Gehirns
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Das Großhirn ist verantwortlich für unser Bewusstsein, Denken, Handeln, Fühlen und unsere Wahrnehmung. Es sorgt also dafür,
- dass wir unsere Muskeln bewegen können, um uns so zu bewegen, wie wir wollen,
- dass wir uns erinnern können,
- dass wir sehen, hören, fühlen und riechen können,
- und dass wir denken können.
Das Stammhirn ist für unsere Atmung, den Schlaf-Wach-Rhythmus, unseren Herzschlag und verschiedene Reflexe (z. B. Hustenreflex, Schluckreflex, Augenlidschlussreflex) zuständig.
Wie kommt es zum apallischen Syndrom?
Ein apallisches Syndrom ist immer die Folge einer sehr schweren Schädigung des Gehirns. Diese kann z. B. aufgrund von einem Unfall, Herzinfarkt,
Schlaganfall oder einer Hirnhautentzündung zustande kommen.
Nach einem solchen Ereignis werden die Betroffenen in der Regel zunächst auf einer Intensivstation behandelt. Während dieser Zeit liegen sie im Koma.
Das heißt, sie sind so stark bewusstlos, dass sie nicht auf äußere Reize (z.B. Schmerzreize, Lichtreize) reagieren und nicht zu wecken sind.
Darum werden sie dort auch künstlich beatmet und ernährt. Nach einiger Zeit (wie lange ist immer unterschiedlich) kann es dann zu einer mehr oder
weniger guten Erholung des Gehirns kommen und die Betroffenen werden wieder wach oder fallen ins Wachkoma. Wenn sich die Funktionen des Stammhirns erholen,
die des Großhirns allerdings nicht, können die Betroffenen z. B. wieder selbstständig atmen und ihr Schlaf-Wach-Rhythmus bleibt erhalten,
sie sind jedoch häufig nicht in der Lage zu sprechen oder angemessen auf ihre Umwelt zu reagieren. Dann spricht man von einem apallischen
Syndrom oder eben von einem Wachkoma.
Wie erkennt man ein apallisches Syndrom?
Wie Du schon gelesen hast, sind Personen, die im Wachkoma liegen, wach, aber nicht in der Lage, auf gewohnte Art und Weise mit ihrer Umwelt Kontakt aufzunehmen.
Auch wenn sie wach sind und ihre Augen geöffnet haben, können sie nicht ihre gesamte Umwelt wahrnehmen. Sie schauen oft ins Leere auch wenn die
Augen schwimmende oder hin und her gehende Bewegungen aufweisen. Einige können häufig mit den Augen nichts fixieren (also gezielt auf etwas gucken).
Weiter kommt es häufig dazu, dass Wachkomapatienten Spastiken an Armen und Beinen entwickeln. Von einer Spastik spricht man, wenn die Muskeln eine erhöhte
Eigenspannung haben. Sie sind also ständig angespannt. Wenn Du z. B. ganz fest mit der rechten Hand eine Faust machst, dann spannt sich dein ganzer rechter
Arm an. Diese Muskelspannung ist bei einer Spastik dauernd vorhanden. Aufgrund dieser Spastiken kann es sehr schnell zu Kontrakturen kommen. Bei einer Kontraktur,
sind die Muskeln, Sehnen und Bänder, die sich an einem Gelenk befinden, dauerhaft angespannt. Man ist dann z. B. nicht mehr in der Lage seinen Arm
durchzustrecken, oder den Fuß zu strecken. Da bei Wachkomapatienten das Großhirn, welches für die Bewegung der Muskeln zuständig ist,
nicht mehr funktioniert, bekommen sie schnell Spastiken und evtl. auch Kontrakturen.
Was kann man für Wachkomapatienten tun?
Wachkomapatienten kommen, nachdem sie die ersten Tage oder Wochen auf einer Intensivstation versorgt wurden, in eine so genannte Frührehabilitation.
Das ist eine spezielle Abteilung in einem Krankenhaus oder sogar eine eigene Klinik. Dort werden nicht nur Wachkomapatienten sondern z. B. auch Personen
nach einem Schlaganfall oder einer anderen neurologischen Erkrankung behandelt. Neben Ärzten und Pflegenden arbeiten dort Physiotherapeuten,
Ergotherapeuten, Sprachtherapeuten (Logopäden) und Musik- oder Kunsttherapeuten. Sie alle arbeiten mit den Betroffenen und deren Familien
zusammen daran, dass die Betroffenen die Fähigkeiten, die ihnen durch ihre Erkrankung verloren gegangen sind, wieder erlernen.
So übt z. B. der Sprachtherapeut mit ihnen sprechen und auch schlucken. Das ist für Personen im Wachkoma besonders wichtig, da sie dadurch
evtl. wieder selbstständig schlucken und dadurch essen können und nicht nur künstlich über eine Magensonde ernährt werden
müssen. Die Ergotherapeuten trainieren mit ihnen ihre Fein- und Grobmotorik oder bringen ihnen spezielle Hilfestellung zum Essen bei. Wichtig für
die Förderung der Wahrnehmung der Betroffenen sind auch die Kunst-, und Musiktherapie. Wachkomapatienten reagieren sehr gut auf diese musikalischen
und haptilen (haptil = aktives Erfühlen eines Gegenstandes) Reize. Ziel dieser Therapien und der basalen Stimulation ist, dass die Betroffenen wieder
Anteil an ihrer Umgebung nehmen. Die basale Stimulation ist ein spezielles Konzept, mit dessen Hilfe Personen, die im Koma oder Wachkoma liegen, lernen,
bekannte Wahrnehmungen wieder zu erfahren. Z. B. das Spüren des eigenen Körpers, die Orientierung im Raum oder die Wahrnehmung von Musik oder
Licht. Zusätzlich wird dadurch ihre Fähigkeit zur Kommunikation und Bewegung gefördert.
Ein weiterer wesentlicher Bestandteil der Therapie ist die Krankengymnastik (Physiotherapie). Dort werden die Betroffenen an elementare Sachen wie z. B.
"auf den Füßen stehen" herangeführt. Meist liegen sie ja seit Beginn ihrer Erkrankung im Bett oder sitzen im Rollstuhl. Auch die Kontrolle
der Kopfhaltung müssen sie wieder erlernen. Denn dadurch, dass sie ihre Muskeln nicht aus dem eigenen Willen heraus bewegen können, fällt es
ihnen auch schwer, ihren Kopf gerade zu halten. Für alle diese Übungen zum Muskelaufbau gibt es verschiedene Geräte auf denen speziell diese
Funktionen trainiert werden können. Bei einem regelmäßigen Training werden zusätzlich der Kreislauf und der Stoffwechsel aktiviert und
langfristig kann dies auch zu einer Steigerung der Gehirnfunktionen führen.
Besonders wichtig in der Therapie ist, dass man Wachkomapatienten am täglichen Leben teilnehmen lässt und früh mit den
Rehabilitationsmaßnahmen beginnt.
Es gibt auch spezielle Einrichtungen für Wachkomapatienten, ähnlich wie ein Altenheim, was Du vielleicht von deiner Oma kennst.
Dort leben die Betroffenen und werden von einem Team aus Pflegenden und Therapeuten speziell gefördert. Die Familien und Freunde der Betroffenen
dürfen dort immer zu Besuch kommen und werden auch in die Therapien mit einbezogen.
Was kann ich tun?
Wenn in deiner Familie jemand im Wachkoma liegt ist es wichtig für ihn, dass ihr ihn an eurem Leben teilhaben lasst und ihm eure Zuwendung zeigt.
Wenn die Person bei euch zu Hause lebt, dann ist das nicht ganz so kompliziert, obwohl ihr natürlich schon auf vieles Rücksicht nehmen müsst
und vielleicht einen anderen Alltag haben werdet als eure Freunde. Aber die Person ist genauso zu Hause und wartet auf euch, so wie z. B. die Eltern eurer
Freunde. Ihr könnt ihr ebenso erzählen, was ihr den Tag über gemacht habt oder was ihr noch vor habt, wie es in der Schule war oder mit wem
ihr gerade Ärger habt. Sie sitzt mit euch am Tisch wenn ihr esst und schaut mit euch gemeinsam Fernsehen, oder ihr hört zusammen ein Hörspiel
oder lest gemeinsam ein Buch oder die Zeitung. Wichtig ist, dass die individuellen Therapiemaßnahmen nach dem Aufenthalt in der Frührehabilitation
auch zu Hause weiter geführt werden. Auch dabei könnt ihr eine große Unterstützung sein.
Wenn die betroffene Person aus deiner Familie in einem speziellen Haus für Wachkomapatienten lebt, dann hilft es ihr, wenn Du sie regelmäßig
besuchst, ihr erzählst was Du so gemacht hast und einfach ein wenig Zeit mit ihr verbringst. Auch wenn sie nicht bei euch zu Hause wohnt kann sie so an
eurem Familienleben mitwirken und daran teilnehmen. Durch eure Unterstützung und Zuwendung könnt ihr sie zum Aufwachen motivieren.
Kann man wieder aufwachen aus dem Wachkoma?
Ja, es ist möglich aus dem Wachkoma zu erwachen. Allerdings nur mit Hilfe intensiver rehabilitativer Maßnahmen.
Nur ungefähr 20% (20 von 100) der Betroffenen verbleiben ihr Leben lang im Wachkoma. Die übrigen erwachen wieder aus dem Wachkoma.
Das kann schon nach Monaten sein oder erst nach ein paar Jahren. Ein Teil von ihnen schafft es auch wieder, ein eigenständiges Leben zu
führen, doch die meisten leben dauerhaft mit körperlichen, geistigen und psychischen Beeinträchtigungen. Natürlich
werden sie dafür von ihrer Familie, Therapeuten, Ärzten und Pflegenden unterstützt.
Ist ein apallisches Syndrom vererbbar oder ansteckend?
Nein. Ein apallisches Syndrom ist weder ansteckend noch vererbbar.
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