Bipolare Störung

Was bedeutet der Name Bipolare Störung?

Das Wort "bipolar" bedeutet "zweipolig" bzw. "zweiseitig".
Bipolare Störungen sind auch unter dem Namen manisch depressive Erkrankungen oder manisch- depressive Psychose bekannt. Der deutsche Psychiater Emil Kraepelin (1856 - 1926) benannte die Erkrankung erstmalig als manisch-depressives Irrsein.
Bipolare Störungen zählen zu den Gemütserkrankungen, die von Fachleuten auch affektive Störungen genannt werden. Gemüt ist ein anderes Wort für die Stimmung oder die Verfassung, in der sich jemand befindet. Unter Gemütserkrankungen versteht man also Erkrankungen, die sich mit der Stimmung (schlechte oder gute) einer Person befassen.

Wie häufig treten bipolare Störungen auf?

Eine bipolare Störung ist eine Erkrankung, die relativ häufig auftritt, allerdings wird sie oft erst sehr spät als solche erkannt und die Betroffenen leben oft schon viele Jahre damit, ohne dass die Diagnose bipolare Störung gestellt wurde. In Deutschland sind mindestens 2 Millionen Menschen an einer bipolaren Störung erkrankt. Weltweit sind ca. 2-5% (2-5 von 100) aller Erwachsenen betroffen.

Wie kommt es zu einer bipolaren Störung?

Eine bipolare Störung kann verschiedene Ursachen haben:
  1. psychosoziale Ursachen
    Bestimmte Ereignisse im Leben eines Menschen können eine bipolare Störung auslösen. Ein solches Ereignis kann z. B. der Tod eines Menschen sein, dem man sehr nahe stand oder der Verlust des Arbeitsplatzes. Dies wirkt sich dann auf das Nervensystem aus und führt zu einem Ungleichgewicht des Stoffwechsels im Gehirn.
  2. neurobiologische Ursachen
    "Neurobiologisch" heißt, dass es etwas mit den Nerven und dem Nervensystem zu tun hat. In unserem Gehirn befinden sich besonders viele Nervenzellen. Bei einer neurobiologischen Ursache für eine bipolare Störung ist der Stoffwechsel im Gehirn gestört. Das führt dazu, dass man nicht mehr passend auf Situationen im Alltag reagieren und Informationen nicht mehr richtig aufnehmen kann.
  3. genetische Ursachen
    Bis zu einem bestimmten Grad sind bipolare Störungen genetisch bedingt. Sie zählen nicht zu den klassischen reinen Erbkrankheiten (wie z. B. Huntington, Rot-Grün-Blindheit, Muskeldystrophie) doch auf einigen Genen der Betroffenen befinden sich Informationen, die das Risiko erhöhen, eine bipolare Störung zu erhalten.

Wie verlaufen bipolare Störungen?

Personen, die an einer bipolaren Störung leiden, durchlaufen im Wechsel zwei Phasen:
  1. manische Phasen:
    in denen fühlen sie sich super gut und
    sie haben das Gefühl ihnen gelingt alles
  2. depressive Phasen:
    in denen fühlen sie sich ganz klein,
    sie haben keine Kraft etwas zu machen und
    sie sind traurig


"Manisch" kommt vom griechischen Wort "mania". Übersetzt heißt dies "die Raserei". "Depressiv" kommt vom lateinischen Wort "deprimere". Übersetzt heißt dies "herabdrücken".

Du kannst es dir vorstellen wie Stimmungsschwankungen zwischen extrem guter und extrem schlechter Laune. Nur, dass die betroffenen Personen es sich nicht aussuchen können in welche Stimmung sie sich befinden. Es ist nicht so, dass sie schlechte Laune haben, weil sich z. B. der Bus verspätet oder sie nicht ausschlafen können. Sie können ihre Stimmungen nicht von selbst steuern. Die Dauer der Phasen ist von Person zu Person unterschiedlich. Sie können einige Tage oder mehrere Monate andauern. Zwischen diesen beiden Phasen verhalten sich die Betroffenen wieder normal. Allerdings kann es auch sein, dass die Phasen direkt ineinander übergehen.

Wenn in deiner Familie jemand an einer bipolaren Störung erkrankt ist und du schon mal mit beim Arzt warst, hast du vielleicht schon mal was von Bipolar I, Bipolar II oder Rapid Cycling gehört. Das sind die verschiedenen Verlaufsformen der bipolaren Störungen. Neben den drei Formen gibt es auch noch eine so genannte Mischform. Worin sich die vier Verlaufsformen unterscheiden kannst du in der Tabelle nachlesen.

Bipolar I Bipolar II Rapid-Cycling Mischzustände
- manische Episode von mind. 7- 14 Tagen

- gefolgt von mind. einer depressiven Phase
- mind. 14 Tage dauernde depressive Phase

- gefolgt von mind. einer manischen Phase (diese ist nur schwach ausgeprägt)
- sehr schneller Wechsel zwischen manischen und depressiven Phasen (teilweise innerhalb von Tagen oder Stunden)

- mind. 4 Stimmungs-schwankungen in einem Jahr
- depressive und manische Kennzeichen treten zusammen auf

- Betroffene sind z.B. gleichzeitig ängstlich (depressives Kennzeichen) und denken und reden sehr schnell und viel (manisches Kennzeichen)

Wie erkenne ich eine bipolare Störung?

Eine bipolare Störung zu erkennen ist nicht sehr einfach. Jeder Mensch, Du sicherlich auch, hat mal schlechte und mal gute Laune und wie Du schon gelesen hast, fällt es auch den Ärzten schwer die Diagnose bipolare Störung zu stellen.

Wenn deine Mutter oder dein Vater an einer bipolaren Störung leidet, wirst Du Tage kennen, an denen alles etwas anders läuft als sonst. Vielleicht wirst Du morgens früh geweckt, da deine Mutter einen Ausflug mit der ganzen Familie machen möchte, obwohl Du in die Schule musst. Oder deine Mutter oder dein Vater vergisst dein Fußballtraining, deinen Klavierunterricht oder einen Geburtstag zu dem Du eingeladen bist. Euer ganzer Alltag ist durcheinander und es gibt keine festen Regeln mehr. Das ist am Anfang sicherlich spannend und aufregend, aber mit der Zeit wird es anstrengend und macht Dir vielleicht auch ein bisschen Angst. Die gleichen Eltern, die eben noch so viel unternommen haben und voller Lebensfreude waren, liegen dann auf einmal den ganzen Tag im Bett und stehen einfach nicht auf. Auch wenn Du es noch so oft versuchst und sie aufmunterst. Sicherlich bist Du in solch einer Situation auch schon mal wütend geworden und gleichzeitig hast Du ein schlechtes Gewissen, weil es deiner Mutter oder deinem Vater gerade so schlecht geht. Dies können Anzeichen für eine bipolare Störung sein.

Was kann man gegen eine bipolare Störung tun?

Auch wenn bipolare Störungen oft erst sehr spät entdeckt werden, gibt es mittlerweile schon Therapien, die den Betroffenen helfen können. Man unterscheidet in eine Akuttherapie und eine so genannte Prophylaxe. Für die Akuttherapie müssen die Betroffenen oft in ein Krankenhaus. Meistens ist dies jedoch nicht das Krankenhaus im dem vielleicht deine Oma mal war, weil sie hingefallen ist oder so, sondern es ist eine spezielle Klinik, die sich um Menschen kümmert, die eine bipolare Störung oder ähnliche Krankheit haben. Die betroffenen Personen bekommen hier spezielle Medikamente. Diese Medikamente sorgen z. B. dafür, dass die manischen und depressiven Phasen nicht mehr so häufig auftreten und wenn sie auftreten, nicht mehr so extrem sind. Neben den Medikamenten erhalten die Betroffenen in der Klinik spezielle Gesprächstherapien. Sie haben regelmäßige Termine mit einem Arzt oder Psychologen der Klinik, um dort über ihre Erkrankung zu sprechen und um zu lernen, wie sie lernen können, damit umzugehen. Das nennt man Psychoedukation. Dabei lernen sie auch zu verstehen, dass sie nichts falsch gemacht haben, wenn sie doch noch mal in eine manische oder depressive Phase fallen.

Die Prophylaxe kannst du dir vorstellen wie einen Schutz oder eine Vorbeugung, die dafür sorgt, dass die Betroffenen nicht wieder oder nicht mehr so häufig in manische oder depressive Phasen zurückfallen. Dafür ist es wichtig, die Medikamente weiter zu nehmen und auch, die Gesprächstherapie weiter zu machen. Einigen Personen hilft es auch eine Selbsthilfegruppe zu besuchen, um sich dort mit anderen Betroffenen auszutauschen.

Was kann ich gegen eine bipolare Störung tun?

Wichtig für die betroffenen Personen ist, dass sie ihre Medikamente regelmäßig nehmen und die Gesprächstherapie durchführen, um nicht rückfällig zu werden. Wenn in deiner Familie jemand an einer bipolaren Störung erkrankt ist, ist es für dich nicht einfach. Alles passiert plötzlich und bringt auf einmal einiges durcheinander. Auch wenn Du bemerkst,, dass eine neue manische oder depressive Phase beginnt, fällt es Dir sicherlich schwer deine Mutter oder deinen Vater darauf an zu sprechen. Auch weil es für sie schwer ist damit konfrontiert zu werden und dann etwas dagegen zu unternehmen. Viele Personen mit einer bipolaren Störung sind jedoch in der Lage die Ankündigungen für eine der beiden Phasen zu erkennen. Eine manische Phase z. B. beginnt in vielen Fällen mit langsam ansteigender guter Laune und wenig Schlaf. Vielleicht kannst Du mit deinen Eltern ausmachen, was Du tun kannst, wenn eine der beiden Phasen eintritt oder dass sie Dir bescheid geben, wenn sie merken, dass eine der beiden Phasen eintritt. Eventuell können deine Eltern Dir ein oder zwei Namen mit Telefonnummern aufschreiben, die du anrufen kannst, wenn du in einer solchen Situation Hilfe benötigst.

Ist eine bipolare Störung ansteckend oder vererbbar?

Eine bipolare Störung ist nicht ansteckend. Allerdings ist die Anlage, auch Vulnerabilität genannt, an einer bipolaren Störung zu erkranken vererbbar. Wenn also deine Mutter oder dein Vater an einer bipolaren Störung leidet, kann es sein, dass auch Du oder deine Geschwister daran erkranken.

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