Schwerhörigkeit
Unter Schwerhörigkeit versteht man eine Minderung des Hörvermögens. Sicherlich hast Du auch schon mal was von
Gehörlosigkeit oder Taubheit gehört. Damit bezeichnet man das weitgehende oder vollständige Fehlen des Gehörs.
Schwerhörigkeit heißt nicht direkt, dass beide Ohren betroffen sind. Es kann sein, dass das linke Ohr eine Schwerhörigkeit
aufweist und das rechte Ohr gesund ist.
Wie häufig tritt Schwerhörigkeit auf?
In Deutschland leben ca. 14 Millionen hörgeschädigte Personen (das sind 11 % aller Menschen, die hier leben).
In Europa leiden 16% (16 von 100) aller Erwachsenen an starken Hörminderungen.
Wie kommt es zur Schwerhörigkeit?
Mit deiner Oma oder deinem Opa musst Du vielleicht etwas lauter sprechen als sonst und auch schon mal einen Satz wiederholen, weil sie ihn
nicht verstanden haben, denn fast die Hälfte aller Menschen ab 80 Jahren sind erheblich hörgeschädigt. Das liegt daran,
dass unser Hörvermögen ab dem 30. oder 40. Lebensjahr kontinuierlich abnimmt. Das Alter ist die Hauptursache für eine
Hörschädigung.
Eine weitere Ursache für eine Schwerhörigkeit ist Lärm. Wir leben in einer lauten Welt. Überleg einmal: in der Schule,
auf der Strasse, beim Fußball, auf der Baustelle oder auf einem Konzert deiner Lieblingsband ist es laut. Das belastet unsere Ohren.
Auch dein MP3-Player kann deine Ohren belasten und zu einem Hörschaden führen.
Hier
kannst Du dir anschauen, was im Ohr passiert, wenn es zuviel Lärm ausgesetzt ist.
Es gibt aber auch Personen, die von Geburt an oder seit früher Kindheit nichts hören. Die Ursache hierfür kann eine
Infektion der Mutter während der Schwangerschaft (z. B. mit Röteln), ein Sauerstoffmangel während der Geburt oder
eine genetischer Defekt sein. Oft wird eine solche von Geburt an vorliegende Beeinträchtigung des Gehörs allerdings erst
erkannt, wenn die Kinder schon 2 Jahre oder älter sind.
Weiter gibt es Personen mit einer erworbenen Hörschädigung. Ursachen hierfür sind
- eine Hirnhautentzündung,
- Erkrankungen des Mittelohres,
- eine Otosklerose (Erkrankung des Knochens, der das Innenohr umgibt),
- eine stake Verletzung des Kopfes,
- ein Fremdkörper im Gehörgang,
- eine Entzündung im Gehörgang,
- bestimmte Medikamente oder
- ein Hörsturz.
Wie unterscheiden man Schwerhörigkeit?
Die unterschiedlichen Stufen der Schwerhörigkeit werden unterteilt nach dem Anteil des Hörverlustes.
| Grad der Schwerhörigkeit |
Hörverlust |
| leichtgradige Schwerhörigkeit |
20-40% |
| mittelgradige Schwerhörigkeit |
40-60% |
| hochgradige Schwerhörigkeit |
60-80% |
| Resthörigkeit |
80-95% |
| Taubheit |
100% |
Zusätzlich unterscheidet man nach dem Alter, in dem die Hörschädigung eintritt:
- Prälingual Ertaubte: Personen, bei denen der Hörschaden eintrat, bevor ihr Spracherwerb vollständig abgeschlossen war. Also Kinder im Alter von 2-4 Jahren.
- Postlingual Ertaubte: Personen, bei denen der Hörschaden erst eintrat nachdem sie bereits sprechen gelernt haben.
- Spät Ertaubte: Personen, die erst in ihrem späteren Leben (meist als Erwachsene) einen Hörschaden erleiden.
Eine weitere Unterteilung wird zwischen Schallleitungsschwerhörigkeit und Schallempfindungsschwerhörigkeit gemacht.
Bei einer Schallleitungsschwerhörigkeit besteht eine Störung in der Schallübertragung vom äußeren Ohr zum Mittelohr.
Oft wird hier auch von einer Mittelohrschwerhörigkeit gesprochen. Bei einer Schallempfindungsschwerhörigkeit besteht ein Schaden im
Innenohr oder am Gehörnerv.
Wie erkenne ich Schwerhörigkeit?
Eine Schwerhörigkeit bzw. einen Hörschaden zu erkennen ist nicht leicht. Auf den ersten Blick sieht man es den betroffenen
Personen nicht an, dass sie eine Hörschwäche haben. Zudem tritt eine Schwerhörigkeit in den meisten Fällen schleichend auf,
und die Entwicklung kann sich über Jahre hinziehen.
Wesentliche Kennzeichen für eine beginnende Schwerhörigkeit sind, dass der Betroffene
- die Türklingel oder das Telefon häufig überhört,
- Fernsehen und Radio so laut gedreht hat, dass andere sich beschweren,
- andere oft bittet das Gesagte zu wiederholen,
- sich beim Hören anstrengen und konzentrieren muss,
- Unterhaltungen missversteht,
- selbst etwas unklar (verwaschen) oder besonders laut spricht,
- ein Ohr zum Hören bevorzugt und
- sich aus sozialen Kontakten zurückzieht.
Wenn ein bestehender Hörschaden nicht behandelt wird, kann sich das auf das gesamte Leben auswirken. Die größten Probleme
haben die Betroffenen bei einem Gespräch. In Unterhaltungen mit anderen Personen merken sie ihre Beeinträchtigung stark.
Unterhaltungen sind sehr anstrengend für sie. Auch weil es ihnen schwer fällt die Stimmungen, die in eine Unterhaltung
einfließen, aufzunehmen.
Ein anders Problem der hörgeschädigten Personen ist, dass die Alarmfunktion des Hörens eingeschränkt ist.
Wenn Du z. B. eine Klingel, eine hupendes Auto, Geschrei oder ein Martinshorn hörst, ist das für dich ein Alarmzeichen.
Du weichst aus, schaust dich nach dem Geschrei um oder wartest bis der Krankenwagen vorbeigefahren ist. Eine hörgeschädigte
Person hört all dies nicht und das ist gefährlich, besonders im Straßenverkehr. Auch können Geräusche von
den betroffenen Personen nicht lokalisiert werden. Sie können also nicht zuordnen aus welcher Richtung das Geräusch kommt
oder wie weit weg es ist.
Dazu kommt, dass sie Informationsquellen wie Telefon, Radio und Fernsehen nur eingeschränkt nutzen können.
Eine Schwerhörigkeit hat also einen starken Einfluss auf das alltägliche Leben.
Was kann man gegen Schwerhörigkeit tun?
Bei manchen Personen mit einer Schwerhörigkeit kann die Hörfunktion durch eine Operation oder Medikamente wieder hergestellt werden.
Allerdings geht dies nur, wenn eine Schallleitungsschwerhörigkeit vorliegt. Bei einer Schallempfindungsstörung können
Medikamente und Operationen wenig weiterhelfen. Dafür können Hörgeräte den Funktionsverlust kompensieren.
Bei völliger Taubheit kann ein so genanntes Cochleaimplantat (CI) das Hören wieder ermöglichen.
Du hast vielleicht schon mal von einer Zahnprothese (Gebiss) gehört. Also einem künstlichen Ersatz für die Zähne,
um weiter kauen zu können, obwohl die eigenen Zähne nicht mehr da sind. Das Chochleaimplantat ist so eine Prothese fürs
Innenohr. Es ermöglicht hochgradig schwerhörig und gehörlosen Kindern und Erwachsenen wieder zu hören.
Wenn Du noch mehr über ein Cochlearimplantat erfahren möchtest, kannst Du dich auf der Homepage der Deutschen Cochlearimplantat
Gesellschaft e.V. (
http://www.dcig.de/) informieren.
Oft wollen hörgeschädigte Personen allerdings kein Hörgerät tragen, denn hörgeschädigte Menschen werden von der
Gesellschaft leider oft als `begriffsstutzig` oder `doof` abgestempelt, und durch ein Hörgerät wird ihre Schwäche sichtbar.
Anders als z. B. eine Brille werden Hörgeräte als ein Makel angesehen.
Eine zusätzliche Unterstützung für hörgeschädigte Personen ist die Gebärdensprache. Sie hilft ihnen, sich im
Alltag zu verständigen. Die Gebärdensprache besteht aus Zeichen, die mit den Händen in Zusammenhang mit der
Körperhaltung und Mimik gebildet werden. Sie ist wie alle anderen Sprachen z. B. deutsch, englisch, türkisch oder
spanisch eine eigenständige und anerkannte Sprache. Sie unterscheidet sich von Land zu Land. So ist die Gebärdensprache
bei uns in Deutschland anders als die in Spanien oder der Türkei.
Hier kannst Du dir anschauen wie Fernsehbeiträge in
Gebärdensprache übersetzt werden und
hier wie das Märchen
Prinzessin auf der Erbse in Gebärdensprache erzählt wird.
Was kann ich tun?
Wenn Du das Gefühl hast, in deiner Familie hört jemand schlecht, dann sprich ihn zuerst mal darauf an. Vielleicht hat er oder sie auch schon bemerkt, dass er/sie schlechter hört. Dann sollte ihr zuerst mal zu eurem Hausarzt gehen. Der kann dann mit Hilfe verschiedener Untersuchungen feststellen, ob tatsächlich ein Hörproblem vorliegt. Wenn das der Fall ist, wird er euch zu einem Spezialisten schicken. Einem so genannten Hals-Nasen-Ohren Arzt (HNO-Arzt).
Um es der betroffenen Person einfacher zu machen, kannst Du dir die folgenden Tipps merken, dann habt ihr beide es einfacher, wenn ihr miteinander sprecht. Sie helfen der hörgeschädigten Person auch dabei besser von Deinen Lippen abzulesen. Das lernen sie mit der Zeit, um andere Personen besser zu verstehen.
- gib der Person zu verstehen, dass Du ihr was sagen willst
- stell dich direkt vor die Person, damit sie dich ansehen kann
- sprich deutlich und nicht zu schnell
- sprich nicht mit vollem Mund
- kaue kein Kaugummi
- nicht die Hand vor den Mund halten
- vermeide laute Geräusche im Hintergrund
- wenn Du dir unsicher bist, ob du verstanden worden bist, frag einfach nach
Hörgeschädigte Personen können häufig sehr gut von den Lippen anderer Personen ablesen.
Dafür ist es wichtig, dass Du deutlich und langsam sprichst und dich direkt vor die Person stellst. Zusätzlich
kannst du die Gebärdensprache lernen, dann fällt es euch vielleicht etwas leichter euch miteinander zu unterhalten.
Auch kannst Du dann für denjenigen in verschiedenen Situationen übersetzen und ihn somit stark unterstützen.
Ist Schwerhörigkeit ansteckend oder vererbbar?
Schwerhörigkeit ist nicht ansteckend.
Es gibt genetisch bedingte Schwerhörigkeiten. Also eine Schwerhörigkeit die entsteht, weil es einen "Defekt" in den Erbfaktoren gibt. Das heißt aber nicht, dass Du, wenn in deiner Familie jemand schwerhörig ist, automatisch auch schwerhörig wirst.
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